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Der wilde Fjord

Ein Fjord kann als ein Meeresgebiet mit Land an drei Seiten definiert werden. Der Stavns Fjord ist fast von Land umschlungen, und nur eine sehr schmale Öffnung gen Norden trennt den Fjord vom Meeresgebiet in der Nordbyer Bucht. Text und Fotos von Bjarne Manstrup, Leiter der Naturabteilung auf Samsø

Vom Eis erschaffen
Der Stavns Fjord ist rund und in ihm liegen neun kleine Inseln, auch Holme genannt. Die kleinste dieser Inseln, Karlskold, ist weniger als 1 ha groß, und die größte heißt Hjortholm und ist ca. 50 ha groß. Der Fjord ist allgemein ein seichtes Gewässer, aber es verläuft eine tiefe Rinne durch weite Teile des Fjords – fast wie ein Fluss. Die Rinne ist schon immer von großer Bedeutung gewesen. Sie hat die drei größten Inseln im Fjord isoliert und somit die Bewirtschaftung erschwert. Das war und ist die Ursache dafür, dass ein Großteil des Wassers im Fjord durch die Gezeiten ausgetauscht wird.

Sowohl die kleinen Inseln als auch die Rinne sind durch Ablagerungen und Erosionen während und nach der letzten Eiszeit entstanden. In einer 10.000-jährigen Perspektive wurde die Landschaft äußerst dramatisch verändert. Ursprünglich war das Gebiet Teil eines riesigen Festlands. Hiernach entwickelte es sich während der Jungsteinzeit vor 6.000-7.000 Jahren zum seichten Meeresgebiet und in den letzten Jahrtausenden zum Fjord.

Schutz von Arten und Landschaft
Die von der Natur vorgegebenen Verhältnisse im Fjord mit den isolierten Inseln, die von seichtem Wasser umgeben sind, bieten Küstenvögeln ideale Bedingungen als Brutund Rastgebiet. Und der Stavns Fjord ist gut geschützt. Das Wildreservat Stavns Fjord existiert seit 1926 Wildreservat und zählt zu den allerälte sten in Dänemark. Beim Schutz ging es damals vorrangig darum, den Eiderenten gute Lebensbedingungen zu gewährleisten, was auch zu einem stark vermehrten Bestand führte. Die Reservatrichtlinie wurde laufend angepasst, zuletzt 1999.

Für den Stavns Fjord gelten die Vogelschutzrichtlinie aus dem Jahr 1979 und die Fauna-Flora-Habitatrichtlinie aus dem Jahr 1992. Der Schutz hat unterschiedliche Schwerpunkte wie z. B. Vogelarten, Meeres-Säugetiere, Reptilien oder besondere Naturarten wie Strandwiesen, Strandwälle und vieles mehr. Heute sind die Richtlinien Teil des gesamteuropäischen Naturschutzes im Rahmen von Natura 2000.

1981 wurde ein insgesamt 1.525 ha großes Landgebiet unter Naturschutz gestellt. Hierbei geht es insbesondere darum, das Vogelleben zu schützen und die charakteristischen Züge der Landschaft zu bewahren. Dies erfolgt u. a., indem gewährleistet wird, dass Gebiete wie beispielsweise alte Trockenrasen, die jahrhundertelang abgegrast worden sind, weiterhin gepflegt werden.

Vor 100 Jahren schützte man die Vögel, indem Störungen in den Brutgebieten eingeschränkt und die Jagd reguliert worden waren. Das tut man auch noch heute. Heute ist die Natur mit einem erhöhten Tourismusaufkommen und Outdoorleben noch stärker strapaziert. Eine zusätzliche Herausforderung ist das Gewährleisten von sauberem Wasser.

Große Änderungen und neue Arten
Die Natur ändert sich aus unterschiedlichen Gründen konstant. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte sind markant mehr Gänse und Kormorane an den Fjord gekommen. Dafür gibt es weniger Säbelschnäbler, Lachmöwen und Brandseeschwalben – und die Zwergseeschwalbe ist als Brutvogel komplett verschwunden. Heute sind die Seeadler häufig am Fjord zu sehen, nachdem sie vor etwa 6 Jahren auf Samsø zu brüten begannen. 2022 wurde die Schwarzkopfmöwe mit einem Paar als Brutvogel am Fjord registriert.

Die Pflanze „Townsends-Schlickgras“ ist heute an der Fjordküste relativ stark verbreitet. Sie stammt von einigen wenigen Pflanzen ab, die angeblich in den 1970ern gepflanzt worden sind. Das Townsends-Schlickgras kann bei Hochwasser Material zurückhalten und dazu beitragen, dass sich die Strandwiese langsam auf die Sandwattbereiche ausbreiten kann.

Auch unter der Wasseroberfläche tut sich einiges. Heute findet man die Pazifische Auster und zwei asiatische Krebsarten, die wahrscheinlich als Brut im Ballastwasser von Schiffen, die die großen Weltmeere überquert haben, zu uns gekommen sind. Die Fischart „Dicklippige Meeräsche“ war ab den 1990ern recht verbreitet, heute wird sie aber seltener vor Samsø gefangen.

Das Seegras verschwand in den 1930ern krankheitsbedingt aus weitläufigen Bereichen, und eine natürliche Wiedereinwanderung wurde später durch eine steigende Menge an Nährstoffen im Meer herausgefordert.

Das Seegras ist eine sogenannte Schlüsselart, das heißt eine Art, die eine wichtige Rolle für ein Ökosystem spielt. Das Seegras hat – wie andere Landpflanzen auch – Wurzeln und ändert deshalb dort, wo es vorkommt, den Meeresboden. Das Wichtigste ist jedoch, dass es eine Umgebung erschafft, die von sehr großer Bedeutung für viele Arten von chnecken, Muscheln, Krebsen und Fischen ist. Heute wird Seegras an mehreren Stellen in Dänemark ausgepflanzt – jedoch noch nicht auf Samsø. Es scheint jedoch, dass sich das Seegras in diesen Jahren auf natürliche Weise im Stauns Fjord ausbreitet.

Der Fuchs und die am Boden brütenden Vögel
Der Fuchs hat auf Samsø eine besondere Geschichte, und Füchse spielen weiterhin eine Rolle beim Schutz der am Boden brütenden Vögel. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurden große Anstrengungen unternommen, um die Jagdmöglichkeiten auf Samsø zu verbessern. Es wurden mehrere neue Hirscharten ausgesetzt, und Zucht sowie das Aussetzen von Fasanen erfolgten systematisch. Bei dieser Arbeit waren große Raubvögel und vor allem Füchse Konkurrenten, und mithilfe eines zielgerichteten Einsatzes war der Fuchs um das Jahr 1900 ausgerottet. In den darauffolgenden ca. 70 Jahren gab es auf Samsø keinen Fuchsnachwuchs, aber heute trifft man sie wieder auf der gesamten Insel an. Heute gibt es keine Pläne zum Ausrotten der Füchse, aber man versucht, die wichtigsten Brutgebiete der Vögel im Fjord von Füchsen freizuhalten.

DIE ZUGANGSVERHÄLTNISSE AM FJORD
Während der Brutzeit der Vögel vom 1. April bis zum 15. Juli gelten besondere Regeln für den öffentlichen Zugang. Außerhalb dieses Zeitraums hat man Zugang zur Insel Sværm und man darf sich auf dem Riff von Besser aufhalten – jedoch ohne Hunde. Auf allen Parkplätzen im Fjordgebiet und am Hafen von Langør sind Infotafeln zu den Zugangsverhältnissen aufgestellt.