Das Frauenheim auf Sprogø
Auf Alt-Sprogø stehen die Gebäude des Frauenheims Sprogø – des „Mädchenheims" –, wo von 1923 bis 1961 rund 500 junge Frauen hinter dem Wasser des Großen Belts untergebracht waren. Eine harte, aber wichtige Geschichte, erlebbar nur mit Führung ab Korsør.

Auf Alt-Sprogø, der kleinen Insel mitten im Großen Belt, stehen die Gebäude, die eines der dunkleren Kapitel der neueren dänischen Sozialgeschichte bergen: das Frauenheim Sprogø, im Volksmund „Mädchenheim" genannt. Von 1923 bis 1961 diente die Insel als geschlossene Anstalt, in der junge Frauen untergebracht und durch das breite Wasser von der Außenwelt abgeschnitten wurden.
Das Heim war Teil der Kellerschen Anstalten und entstand in einer Zeit, in der bestimmte Frauen als Bedrohung der „gesellschaftlichen Moral" galten. Rund 500 Frauen wurden im Laufe der Jahre nach Sprogø geschickt – oft, weil man sie als „moralisch minderwertig", schwach begabt oder sexuell abweichend ansah. Viele kamen aus armen Verhältnissen, und für einen großen Teil war die Unterbringung unbefristet. Der Alltag bestand aus Hausarbeit und Landwirtschaft, und etliche der Frauen wurden sterilisiert, bevor sie die Insel wieder verlassen durften. Es ist eine Geschichte systematischer Vernachlässigung – und ein Zeugnis dafür, wie gut gemeinte gesellschaftliche Ideen zu schweren Übergriffen gegen die Schwächsten führen konnten.
Heute stehen die Gebäude noch immer auf Alt-Sprogø, still und verwittert, während die Natur sie umschlossen hat. Die Geschichte wurde seither durch Forschung, Bücher und Filme ans Licht geholt – unter anderem durch das Forschungsprojekt „Die Mädchen von Sprogø" und Jussi Adler-Olsens Roman Erbarmen (Journal 64) – und die Insel ist zu einem Ort geworden, an dem Dänemark seiner eigenen Vergangenheit gedenkt.
Sprogø steht unter Naturschutz und ist für die Öffentlichkeit gesperrt; die historischen Gebäude sind nicht frei zugänglich. Erreichbar ist die Insel nur mit einer geführten Tour, auf der die harte Geschichte des Ortes ebenso vermittelt wird wie die Natur, die ihn heute umgibt. Die Touren organisiert Destination Sjælland ab Korsør.
Ein Besuch auf Sprogø ist ein nachdenklich stimmendes Erlebnis, das große Natur mit einer wichtigen Erzählung über Menschenbild, Macht und Verletzlichkeit verbindet. Mehr bei Destination Sjælland und Sund & Bælt.
Häufige Fragen zum Frauenheim auf Sprogø
Kann man das Frauenheim auf Sprogø besichtigen?
Die Gebäude stehen noch auf Alt-Sprogø, doch die Insel steht unter Naturschutz und ist gesperrt. Zu sehen ist das Heim nur mit einer geführten Tour.
Warum wurde das Frauenheim auf Sprogø geschlossen?
Die Anstalt schloss 1961, als sich die Sicht auf die Fürsorge und Zwangsunterbringung wandelte und die Gesetzgebung reformiert wurde.
Wer waren die Frauen auf Sprogø?
Rund 500 junge Frauen – oft aus armen Verhältnissen – wurden untergebracht, weil man sie als „moralisch minderwertig", schwach begabt oder sexuell abweichend ansah.
Wurden die Frauen auf Sprogø sterilisiert?
Ja, ein großer Teil der Frauen wurde sterilisiert, vielfach als Bedingung dafür, die Insel verlassen zu dürfen.
Eine geführte Tour nach Sprogø buchen
Eine geführte Tour nach Sprogø buchen bei Destination Sjælland – das Frauenheim und die Insel sind nur mit Führung zu sehen.
Zuletzt aktualisiert von:Destination Sjællandinfo@desj.dk

