Hotdog, aber richtig

Für die dänische Nationalspeise benötigt man ein wenig Übung. MIt dieser Anleitung zum Hotdog-Verzehr sollte nichts mehr schief gehen!

Tun Sie nie an einem dänischen Hotdog-Stand so, als wenn Sie ein wenig dänisch sprechen können. Zum Beispiel (Lautschrift): „Jei will gerne har een risted hotdog". Dann passiert nämlich etwas, mit dem Sie nie und nimmer gerechnet haben: ein Schwall dänischer Worte folgt. Und das hört sich ungefähr so an (Lautschrift): "Schkalldüharfreskorrristetloiiofreskgurker?"

Verstanden? Natürlich nicht. Aber Sie sollten, da Sie sich schon so weit in die Sprache unserer nördlichen Nachbarn hineingearbeitet haben, antworten (Lautschrift) : „Melldeeheele" (Lautschrift für Ichmöchtegernealleshaben). Dann, ja dann kriegen Sie erst den echten dänischen Hotdog, und der oder die Fachkraft, die Ihnen die Spezialität des Landes bereitet, wird sich besondere Mühe geben, da Sie ja ein Gast des Landes sind. Was man Ihnen dann auf eine spezielle Haltevorrichtung aus silberfarbenem Metall legt (bitte besonders beachten, denn das gibt es fast nur in Dänemark), erfordert allerdings Ihre ganze Aufmerksamkeit, wenn Sie mit dem Mahl beginnen.

Aber erst einmal zur Zusammensetzung des dänische Hotdogs. Er ist ein halb aufgeschnittenes warmes Brötchen mit einer darin abgelegten gegrillten oder gekochten Wurst. Sie haben sich in weiser Voraussicht für die Gegrillte entschieden, denn die kommt ihnen bekannt vor, weil sie der heimischen Currywurst ähnelt. Die Gekochte dagegen erstrahlt in solch einem Rot, dass die meisten Dänemarkbesucher sich nicht trauen, hinein zu beißen. Gegrillt oder gekocht, beide Würste werden kunstvoll zugedeckt mit einem Streifen Mayonnaise, einem Streifen Ketchup, einem Streifen Senf sowie gerösteten Zwiebeln, rohen Zwiebeln und Gurkenscheiben.

Ein ungeschriebenes Gesetz ist es im Königreich Dänemark, das Ganze ohne Hilfe von Kulturwerkzeugen wie Messer und Gabel zu essen. Es erfordert schon eine besonders ruhige Hand und viel Übung, das überladene Brötchen zum Mund zu befördern, ohne dass die Hälfte der köstlichen Wurstbedeckung von der Erdanziehung auf den Boden befördert wird.

Verhindern können Sie das jedoch spätestens dann nicht mehr, wenn Sie versuchen, von der dänischen Spezialität abzubeißen. Jeder Anfänger ist dann sofort ein Kunde der nächsten Kleider-Reinigung, denn die Mischung aus Mayonnaise, Ketchup und Senf ist mit normalen Vollwaschmitteln nicht mehr fleckenlos zu entfernen. Um die Flecken in der Jacke, die in 90 Prozent aller Fälle im Bereich des Bauches auftreten, zu verhindern, sollten Sie den Hotdog wie ein Einheimischer verspeisen. Der nimmt sich schon vor dem Griff zum Wurstbrötchen mindestens vier Papierservietten aus dem Serviettenspender - der gehört zur Grundausstattung eines jeden Hotdog-Standes - und danach stellt er sich leicht nach vorn gebeugt, breitbeinig hin. Dann erst wird die Köstlichkeit mit gezieltem Schwung gen Mund befördert. Beißen Sie schnell, aber nicht hastig ab, nachdem Sie die Speise so weit es geht in den aufgesperrten Mund geschoben haben. Natürlich wird vieles von dem, was auf der Wurst liegt, auf den Boden fallen. Das macht aber gar nichts und ist normal. Wenn sich von der Gesamtmenge des Hotdogs nach dem Mahl allerdings mehr in Ihren Magen als zwischen Ihren Füßen befinden soll, ist es erforderlich, das Ganze mit höchstens drei Bissen zu verspeisen. Dann kommen die vier Servietten zum Einsatz, denn nun gilt es, den rundum verschmierten Mund und die klebrigen Finger zu reinigen.

Und Achtung: Vermeiden Sie einen Anfängerfehler. Brillen oder Sonnenbrillen, die mit einem sportlichen Band gehalten, zum Essen von der Nase genommen und auf Brusthöhe hängen, sollten tunlichst vor der Mahlzeit in eine Tasche gesteckt werden. Auf ihren Gläsern sammelt sich sonst ein Teil des Wurstbelages und der ist nur mit größerem Reinigungsaufwand wieder zu entfernen.

Text: Klaus Bartels

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